Offener Brief an das Projekt „openPlanB“


In den vergangenen Wochen gab es in den entsprechenden Foren im Internet und in den Sozialen Medien eine Diskussion um das Projekt „openPlanB". Angestoßen wurde die Diskussion durch Michael Kreil, den Initiator des Projekts. Herr Kreil hat Fahrplandaten von einer von uns herausgegebenen CD-ROM extrahiert, umgewandelt und Dritten zum Download öffentlich zugänglich gemacht - und damit einen eindeutigen Rechtsbruch begangen.

Hierzu veröffentlichen wir einen offenen Brief von Birgit Bohle, Vorsitzende der Geschäftsführung der DB Vertrieb GmbH, an Michael Kreil, Initiator von „openPlanB“.

Sehr geehrter Herr Kreil,

 

Frankfurt, 28. September 2012

hiermit nehme ich Bezug auf Ihren Vortrag auf dem Netzpolitischen Abend des Digitale Gesellschaft e.V. vom 4. September 2012.

Darin erläutern Sie, dass Sie unter der Projektbezeichnung „openPlanB“ Fahrplandaten von einer von uns herausgegebenen CD-ROM extrahiert und in das Format JSON konvertiert haben, um das Datenbankwerk und die Datenbank anschließend unter die ODbL zu stellen und sie als Torrent-Datei Dritten zum Download öffentlich zugänglich zu machen. Die von Ihnen gehackte und vervielfältigte Datenbank enthält unter anderem Daten über sämtliche Bahnhöfe in Deutschland, alle Listen mit Verbindungen, Geokoordinaten sowie Schutzgegenstände Dritter, die durch unser Datenbankwerk miteinander verknüpft sind.

Ihr eigenmächtiges Vorgehen hat mich insbesondere vor dem Hintergrund unseres gemeinsamen vertrauensvollen Gesprächs mit Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr bei der DB Mobility Logistics AG, sehr überrascht.

Wir hatten Ihnen erläutert, warum wir uns derzeit nicht in der Lage sehen, sämtliche Daten für jedweden Zweck freizugeben. Die Qualitätssicherung der Informationen für unsere Kunden steht für uns hierbei an oberster Stelle. Zugleich hatten wir jedoch auch klargestellt, dass die Deutsche Bahn Kooperationen grundsätzlich aufgeschlossen gegenübersteht und nachhaltig daran arbeitet, möglichst vielen Menschen einfach und über innovative Kanäle Fahrplandaten und weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Indem Sie jetzt die Fahrplandaten unter die ODbL gestellt haben, maßen Sie sich die Position des Rechteinhabers an, der Sie nicht sind. Ihre Aktion stellt nicht nur eine absichtliche Verletzung der uns und Dritten zustehenden ausschließlichen Rechte an der Datenbank dar, weshalb wir uns vorbehalten, Sie im Wiederholungsfall zivil- und strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Ihr Vorgehen versetzt zudem Drittentwickler in den falschen Glauben, sie dürften die Daten weiterverwerten: „Lizenznehmer“, die über die Herkunft der Daten keine Kenntnis haben, verlassen sich auf die Erteilung einer angeblich wirksamen Lizenz gemäß Ziffer 3 der ODbL auch zur kommerziellen Verwertung, begehen aber tatsächlich selbst Rechtsverletzungen in erheblichem Ausmaß, wenn sie mit der Datenbank und dem Datenbankwerk arbeiten. Ihre Aktion ist geeignet, Open-Data-Initiativen generell in ein negatives Licht zu rücken. Denn diese fußen auf der Garantie, dass derjenige, der eine Datenbank unter eine offene Lizenz stellt, auch berechtigt ist, dies zu tun. Mit Ihrer öffentlichen Aktion stellen Sie eindrucksvoll das Gegenteil unter Beweis. Sie leisten der Skepsis gegenüber offenen Daten jedweder Art Vorschub.

Hinzu kommt: Fahrplandaten verändern sich spätestens mit jedem Fahrplanwechsel. Drittapplikationen, die mithilfe der von Ihnen rechtswidrig verbreiteten Daten entwickelt werden, veralten schnell und werden daher – auch zum Ärger der Entwickler – jede Erwartung der Menschen, die ihren Alltag an Fahrplandaten ausrichten müssen, früher oder später enttäuschen.

Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, dass die Deutsche Bahn nach Ihrer illegalen Aktion im Rahmen von möglichen Open-Data-Initiativen auf Ihre Mitarbeit verzichten wird. Wir werden das Gespräch mit anderen Open-Data-Förderern suchen.

Mit freundlichen Grüßen